Beschreibung und Haltung

Allgemeines:
Die Fauchschabe hat ihren Namen erhalten, weil sie fauchende und zischende Geräusche von sich gibt, sie ist eine der größten Schabenarten. Fauchschaben können bis zu 3 Jahren alt werden, was für ein Insekt schon sehr alt ist.

Da ihr Herkunftsland Madagaskar ist, trägt sie auch den Namen Madagaskar-Fauchschabe.

Verbreitung:
Die Madagaskar-Fauchschabe, auch Gromphadorrhina portentosa genannt, stammt aus dem östlichen Küstenraum Madagaskars.
Fauchschaben sind tagsüber überwiegend im Baum- und Buschwerk versteckt und sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber sind sie, wenn überhaupt, nur zur Nahrungsaufnahme oder zur Revierverteidigung aktiv.

Verwandtschaft:
Die Fauchschabe gehört zur Familie der Schaben (Blattariae). Zur Ordnung dieser Insekten gehören 28 Familien mit etwa 450 Gattungen welche sich nochmals in gut 4000 Arten unterteilt. Die Schabe als solche gehört zu einer der ältesten Insektengruppen die existieren. Sie gibt es schon seit mehr als 250 Mio. Jahren. Besonderst interessant ist, dass die heutigen Schaben ihren Steinzeitvorfahren stärker ähnelt, als das bei dem größten Teil der anderen Insektenarten der Fall ist. Nähere Verwandte der Schabe sind Grillen, Heuschrecken, Stabschrekcen und Ohrwürmer.

Größe und Geschlechtsmerkmale:
Vergleicht man die Madagaskar-Fauchschabe mit anderen Schabenarten, so kann man feststellen, dass diese Art flügellos ist. Imagines besitzen einen braunen und einen mehr oder weniger stark gebänderten Hinterleib. Der Kopf, das Halsschild und die hinteren Brustringe hingegen sind glänzend braunschwarz gefärbt. Sie können ein Gewicht von bis zu 25 g erreichen.

Weibchen können bis zu 6 cm lang werden

Männchen werden bis zu 5,5 cm lang. Das ausgewachsene Männchen hat auf dem Halsschild zwei recht auffällige Höcker. Außerdem sind ihre Antennen sehr viel stärker mit feinen Härchen besetzt als die der Weibchen.

Die Larven:
Im Larvenstadium ist der Hinterleib oft heller und variabler braun gefärbt.

Ernährung:
Die Fauchschabe ist ein Allesfresser und kein bisschen wählerisch, was ihre Nahrung angeht. Was frisch ist (Obst und Gemüse) mögen sie besonderst gerne. Als Hauptnahrung können z. B. Haferflocken dienen, dennoch sollte täglich feuchte Nahrung serviert werden. Hierzu eignen sich am besten Äpfel, Salat, Champignons, Paprika oder auch Bananen, Kartoffeln. Eventuelle Reste sollte man allerdings wieder entfernen, damit dies nicht zu schimmeln beginnen kann.

Da die Tiere auch einen Eiweißbedarf haben, dieser ist zwar gering aber immerhin, sollte dieser Bedarf, für ein glückliches Schabenleben gedeckt werden. Hierzu empfiehlt es sich einmal in der Woche entweder Fischfutter oder Hundetrockenfutter oder Katzentrockenfutter unter die Früchte zu mischen.

Beliebt sind im übrigens auch Brombeerblätter bei den Schaben.

Temperatur/Luftfeuchtigkeit:
Die Schabe benötigt eine Temperatur zwischen 23° und 28°C, nur bei diesen Temperaturen zeit sie ihr artgemäßes Verhalten. Ist es den Tierchen zu kalt z. B. Temperaturen zwischen 18° und 20° werden auch erduldet, allerdings sind die Tiere dann weniger aktiv und zeigen kaum Fortpflanzungsverhalten. Um die Temperaturen zu gewährleisten sollte man daher evtl. heizen. Hierfür eigenen sich am besten Kohlenfadenlampen, Keramik-Heizstrahler oder auch Heizmatten oder Heizkabel. Oder man stellt das Behältnis über einen Heizkörper auf. Wer sich für Heizmatten oder Heizkabel entscheidet sollte in jedem Fall darauf achten dass dies so angebracht wird, dass die Schaben nicht dran kommen, da sie diese sonst anknabbern könnten.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 % liegen, dies währe der Idealfall. Trockener kann es allerdings auch sein, denn auch dies vertragen die Tiere sehr gut.

Grundsätzlich gilt für diese Schaben, wie auch für die meisten Wirbellosen: je höher die Temperatur, desto besser und schneller die Entwicklung.

ACHTUNG: Die Temperatur sollte nie die 35°C übersteigen, da die Schaben in eine Wärmestarre verfallen und schlimmstenfalls sterben können

Haltung:
Zur Haltung und Zucht sind dicht schließende Glas- oder Plastikbehälter (Plastikaquarien oder -terrarien, große Haushaltsdosen, selbstgebaute Glasbehälter mit Lüftungsöffnungen) am besten geeignet.

Für 2 Fauchschaben sollte das Behältnis eine Größe von mindestens 30x20x20 cm haben. Allerdings empfiehlt es sich grundsätzlich einen größeren Behälter anzuschaffen, so lassen sich die Tierchen auch viel besser beobachten. Außerdem sollte man darauf achten, dass das Behältnis mehr hoch statt breit ist, da die Tierchen gerne klettern.

Eine besondere Lichtquelle ist nicht nötig wenn das Terrarium normales Tageslicht abbekommt. Steht das Terrarium jedoch in einem extrem dunklen Raum sollte zumindest auf einen Tag-Nacht-Rhythmus simuliert werden.

Zum Bodengrund lässt sich sagen dass die Tiere auch hier nicht wirklich wählerisch sind. Verwendet werden kann z. B. Laubstreu und Rindenstücke, lockere Erde, Rindenmulch oder zerschredderte Zweige, Sand, Erde, Kokoshumus. Das verwendete Substrat sollte in allerdings die Fähigkeit besitzen Feuchtigkeit zu speichern.

Wichtig ist jedoch dass für den Bodengrund nichts verwendet wird, was Schadstoffe, beispielsweise Insektiziede bei Rindenmulch) enthält. Da die Tiere nämlich an allen Materialen knabbern könnten sich die eingeschleppten Insektiziede schädlich auf die Tiere auswirken.

Zum Laubstreu lässt sich raten, diese vor dem Gebrauch länger trocken zu lagern damit keine unerwünschten Mitbewohner eingeschleppt werden können.

Den Boden sollte man ab und zu anfeuchten, z. B. durch besprühen, um die Luftfeuchtigkeit ein wenig in gang zu bringen. Aber bitte darauf achten, dass der Boden niemals nass ist, u. a. wegen Schimmel. Da die Tiere auch gut in trockenerer Luft leben können reicht es daher völlig aus ab und zu mal zu sprühen.

Wer seinen Tieren etwas Gutes tun möchte sollte sein Behältnis so einrichten und strukturieren, dass die Tiere ihrem Verhalten entsprechend klettern können.

Den Männchen sollte die Möglichkeit eingeräumt werden Reviere zu gründen, den Weibchen, unterlegene Männchen und Jungtiere sollten wiederum die Möglichkeit haben sich tagsüber unter Laub, Rindenstücken oder ähnlichem verstecken zu können. Hierfür verwendet man am besten Steine, Kletteräste und größere Rindenstücke.

Zum Bodengrund lässt sich außerdem noch anmerken dass dieser, sofern dieser nicht zu stark Besetzt ist, nur etwa alle 4-5 Monate gewechselt werden sollte.

Vermehrung/Zucht:
Die Schabe vermehrt sich durch Paarung, dies läuft nach dem üblichen Schema von Schaben ab.

Das geschlechtsreife Weibchen streckt die Oothek (Eibehälter in denen mehrere Eier zusammen in einer schützenden Hülle liegen) aus dem Hinterleib, diese wird dann vom geschlechtsreifen Männchen befruchtet. Nach der Befruchtung wir das Oothek wieder vom Weibchen eingezogen und ausgebrütet. Ist das Jungtier vollständig entwickelt verlässt es die Genitaltasche der Mutterschabe. Sie gebären also lebend.

Ist das Weibchen jedoch gestresst, kann es vorkommen, dass sie die weißlichen Ootheken abgibt und die Jungen so schlüpfen.

Ist man im Besitz von adulten (geschlechtsreifen) Tieren beider Geschlechter, wird sich über kurz oder lang Nachwuchs einstellen.

Die Entwicklung der Jungtiere im Ei dauert zwischen 60 und 70 Tagen. Ein Wurf kann bis zu 50 Tiere groß sein. Die Jungtiere haben etwa die Größer einer Kellerassel.

Wer eine zu starke Vermehrung verhindern möchte, kann die adulten Tiere nach Geschlechtern trennen und sie nur für die Beobachtung der Zeugung zusammenführen.

ACHTUNG: Die Lüftung im Terrarium/Luftschlitze sollte Ausbuchssicher sein, sprich nicht zu große Schlitze oder Öffnungen haben, da die Tiere, wie schon erwähnt sehr gute Kletterer sind (auch die Jungtiere). Wer also die Jungtiere nicht ständig in der Wohnung zusammensuchen möchte achtet auf die Öffnungen ;)

Häutung:
Die Fauchschabe häutet sich bis zum Imaginalstadium (Geschlechtsreife) 6 mal. Nach dem Häuten ist sie weiß und sehr empfindlich. Bis ihr ein neuer Panzer gewachsen ist, der dann auch wieder hart und dunkel ist dauert es nur etwa 24 Stunden.

Durch das Aufplatzen einer Häutungsnaht auf der Dorsalseite kündigt sich die Häutung an. Durch die Dorsalseite kann man die weiße neue Haut sehen. Die alte, abgestreifte Haut wird so gut wie immer aufgefressen.

Verhalten:
Den Namen "Fauchschabe" hat dieses Tier zu Recht. Ihr charakteristisches Fauchen, bzw. Zischen kommt durch kräftiges Zusammenpressen des Abdomens zustande. Die in den Tracheen befindliche Atemluft wird aus einem speziellen Stigmenpaar ausgestoßen.

Außerdem ist die Fauchschabe Dämmerungs- und Nachtaktiv. Nach Beobachtungen kann man vermuten, dass die Tierchen, nicht wie die meisten anderen Arthropoden, Rotlichtblind sind, denn sie werden erst richtig aktiv wenn der letzte Lichtstrahl im Zimmer ausgegangen ist.

Interessant ist jedoch, dass die Lautäußerung nicht nur als Abwehrlaut gegenüber Feinden, sondern auch zur Kommunikation untereinander eingesetzt wird. Man kann etwa 5 Zischlaute voneinander unterscheiden. Diese unterschiedlichen Laute kann man der Abwehr-, dem Territorial- und dem Balzverhalten zuornden.

In der Abbildung zeigt die auffälligen Verhaltensweisen lassen sich, mit den hier beschriebenen Haltungsbedingungen beobachten. Ebenso kann man das Balz und Paarungsverhalten gut beobachten.

 

1) Antennenkontakt zweier Männchen
2) Angriff mit Stoßen (Rammen mit den "Hörnern")
3) Beißen in Beine, Antennen und Rücken
4) Antennen-"Fechten"
5) "Sterzeln" (Anheben des Hinterkörpers)
6) Hinterkörperwackeln (-schlagen)
7) Unterlegenheitsverhalten

Ausgewachsene Männchen verteidigen ihr Revier und zeigen Territorialverhalten. Daher sollte darauf geachtet werden, dass das Terrarium nicht zu dicht besiedelt wird, im vergleich zu "friedlichen" Arten bei denen eine dichte Besiedelung nichts ausmacht.

Durch Imponiergehabe, rammen mit den Hörner, Bisse in die Fühler und Beine des Gegners und selbstverständlich das Fauchen, zeigt das Männchen seinen Revierkampf. Weibchen und Jungtiere haben allerdings vor dem dominanten Männchen nichts zu befürchten. Auffällig ist das die dominantesten Männchen gerne am höchsten Punkt im Terrarium zu finden sind.

Fauchschaben bilden Reviere. Wenn sie einmal einen Platz im Terrarium gefunden haben, der ihnen gefällt und an dem sie sich sicher und behaglich fühlen wird man sie überwiegend an diesem Platz antreffen. Unerwünschte Gäste, außer den Weibchen und den Jungtieren, werden außnahmslos vertrieben.

Es ist also keine Besonderheit, dass erkrankte und schwache Tiere ziemlich isoliert von dem Rest der andern leben.

Sonstiges/Besonderes und Wissenswertes:

Milben:
Es ist interessant zu wissen, das auf diesen Schaben winzige weiße Milben leben. Diese sind für Menschen und Haustiere ungefährlich. Wie stark sich die Mitbewohner auf den Schaben vermehren, ist abhängig davon wie die Luftfeuchtigkeit im Terrarium ist. Ist die Luft recht trocken, haben die Schaben wenige Milben. Ist es eher feucht und es herscht eine hohe Luftfeuchtigkeit wird der Milbenanteil steigen.

Umgang:
Die Schaben kann man ohne große Bedenken aus dem Terrarium nehmen. Zu beachten ist allerdings dass man die Tiere am besten mit Daumen und Zeigefinger an beiden Seiten des Brustteils nimmt und sie vorsichtig hochnimmt. Da sich die Tiere vermutlich nicht einfach so anfassen und aus dem Behältnis nehmen lassen muss man vorsichtig ziehen. Da die Tiere sich mit den Beinen am Boden festhacken sollte man wirklich Vorsicht walten lassen beim herausnehmen. Alles in allem ist dies aber mit ein bisschen Übung nicht schwer zu erlernen.

Fauchschaben sind nicht gerade die schnellsten Schaben, daher kann man sie ruhig auf die Hand setzen. Oft bleiben sie sogar sitzen oder sie krabbeln ziemlich langsam vorwärts. Angst muss man keine haben, da sie weder beißen noch unangenehme oder schädliche Stoffe ausscheiden oder Stacheln besitzen. Die kleineren Schaben sind allerdings um einiges flinker, daher sollte man bei ihrem Freigang genauer darauf achten das sie nicht entwischen!
Fauchschaben sind ideale Insekten zum Anfassen.